Recap zur Webvideocon 2017 #wvc17

von Kirsten Bringmann

Nachdem ich gelernt habe, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne im Netzt inzwischen deutlich unter der eines Goldfisches liegt, nehme mein Fazit heute mal vorweg: Das Netspiritsteam hat offensichtlich ein gutes Gespür für die Wahl der Speaker und die richtige Mischung!

Ich habe mich bei keinem einzigen Vortrag gelangweilt, jeder hatte mindestens einen oder zwei Tipps, die mich entweder überrascht haben oder mir zumindest ein mir bekanntes aber vernachlässigtes Thema wieder ins Gedächtnis gerufen haben. Dennoch gibt es natürlich für jede/n von uns das eine oder andere Highlight. Offene Fragerunde zum Ende der Webvideocon 2017

Offene Fragerunde auf der Webvideocon 2017


Ganz großes Kino mit kleinen Filmen: Snack-Content von Franz-Josef Baldus

Mich persönlich hat Franz-Josef Baldus (@koelnkomm) unglaublich inspiriert! Die Tatsache, dass er uns in hands-on-Mentalität "mal eben" einen kleinen Zaubertrick in Form eines Spontan-Mini-Workshops näher gebracht hat, war das eine. Was mich aber besonders fasziniert hat war, dass ich gespürt habe: Da ist jemand, der so richtig für sein Thema brennt. Er hat ganz offensichtlich riesigen Spaß an dem, was er tagtäglich tut und mich mit seinem Vortrag richtig gehend angezündet. Dieses Funkeln in den Augen während er Content-Formate erklärt und Cases gezeigt hat, muss man erlebt haben. (Und ja: ich bin glücklich verheiratet ^^)
Ein weiteres Hightlight von Herrn Baldus Vortrag: Mehr Verweildauer durch Reduktion im vermeintlichen Bewegtbild. Ich werde dieses Paradoxum in jedem Fall selbst ausprobieren und mit Cinegraphs experimentieren. Mit seinem Video-Snack für St. Moritz hat er mich auf einer ganz anderen Ebene abgeholt. Ich habe ein Jahrzehnt in der Schweiz gelebt und war begeistert wie sehr er den selbstironischen Nerv der Schweizer getroffen hat: GENIAL!

Ergebnis des Spontan-Mini-Workshop von Franz-Josef Baldus auf der Webvideocon zum Thema Snack-Content. Sein Arbeitsgerät ist sein Smartphone.

"Behaltet den Kunden im Fokus und vergesst nicht, dass gute Inhalte auch Spaß machen!"

Diese Emotionale Ebene bringt mich direkt zum Vortrag von Christian Tembrink (@Chris_Tembrink), der mit schmerzhaften Zahlen begann: "Kosten für digitale Content-Produktion = 145 Milliarden Dollar. Davon 80 % unsichtbar." Um dies zu vermeiden hat er Sätze rausgehauen wie "Warum nicht auch auf Webshops Elemente einbauen, die den Kunden einfach nur Spaß machen?" "Bei aller Ratio: Die Emotio nicht vergessen, sondern in den Vordergrund stellen!" "Dein Laden ist einzigartig - verleihe ihm eine Persönlichkeit!" Er regte an, ein kurzes Welcome-Video zu erstellen, das gar nicht teuer produziert werden muss und sich und "seinen Laden" vorzustellen. Es gehe darum einfach mal anzufangen und Sympathien zu wecken, professionalisieren und optimiern könne man später noch. Das sei der große Vorteil von Online-Medien.
Die Aussage "Mit Spiegelneuronen stecken Videos den Betrachter an!" hat er untermauert, indem er mit einem kurzen Video allen Teilnehmern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und mit seiner Keynote Lust auf mehr gemacht hat. Keynote von Christian Tembrink der Webvideocon 2017

Keynote vom Veranstalter der Webvideocon 2017: Netspirits-Geschäftsführer Christian Tembrink "1 Minute Video = 1.800.000 Worte"

Über den richtigen Einsatz von Videos in Newslettern berichtete Joscha Keller

Joscha Keller (@ClipVilla) beeindruckte mich hingegen damit, welch kleine Kniffe eine erstaunliche Steigerung der Öffnungsrate von Newslettern bewirken können. Nachdem er erklärte, dass visuelle Inhalte 60.000 mal schneller aufgenommenen werden als Text, ist die logische Konsequenz ein Video in den Newsletter zu integrieren. Zwei konkrete Tipps: Schon allein die Tatsache, das Wort "Video" in die Betreffzeile zu integrieren, hat die Öffnungsrate der Newsletter in seinen Cases um 12% erhöht. Zudem empfiehlt er auf der Landingpage mit dem Video unbedingt autoplay zu aktivieren. Seiner Erfahrung nach ist der User überfordert, wenn er zunächst einen Newsletter öffnet, dann den link klickt und dann auf der Landingpage nochmals klicken soll. Das i-Tüpfelchen war jedoch, dass das Video selbst personalisiert wurde und so die abfallende Aufmerksamkeit immer wieder "zurück geholt" wurde.

Joscha Keller zeigte auf der Webvideocon packende Fallbeispiele zu seinem Thema "Videos im E-Mail-Marketing"

„Die empfehlen einem Sachen“ – „Das ist keine Werbung“

Zum Thema YouTuber-Marketing stellte Holger Geißler (@YouGov) fest, dass es vor allem bei der jüngeren Zielgruppe sehr gut funktioniert. Da vor dem uTube-Video eine Werbung geschaltet ist, die dann vorbei ist, wird es nicht mehr als Werbung, sondern als persönliche Empfehlung ihres uTube-Idols angesehen. Laut einer Umfrage, die YouGov erstellt hat, geben 25% der befragten zwischen 18 und 25 jährigen an, dass sie bereits ein Produkt gekauft haben, das sie bei einem uTuber gesehen haben. Er betonte, dass dies nur diejenigen sind, denen es bewusst ist und vermutet, dass die Quote bei den 10 bis 17-jährigen weit aus höher liegt. "Das muss mir als Vater nicht gefallen, aber als Marketeer ist das eine tolle Sache und wir haben alles richtig gemacht."Holger Geißler von YouGov über uTube-Marketing auf der Webvideocon 2017

Holger Geißler, YouGov, über Productplacement auf YouTube

"Einfach machen lassen – Mitarbeiter als erfolgreiche Web-Video-Produzenten"

Martin Widenka (@_wdnk)von Neckermannreisen stellte das Konzept vor als Reiseveranstalter den Mitarbeitern, die Lust dazu haben, eine GoPro in den Urlaub mitzugeben und diese nach einem Kurzbriefing einfach mal machen zu lassen. Nach dem Urlaub wird das Material professionell geschnitten und mit Musik unterlegt, sodass sehr emotionaler und uniquer Content zu einem überschaubaren Budget entsteht. Zudem experimentierte das Social-Media-Team ebenfalls mit uTube-Marketing, was aufgrund der Tatsache, dass ihr durchschnittlicher Kunde kaum die Zielgruppe darstellt, die von uTube-Stars wie Bibi & Co angesprochen wird, auf den ersten Blick etwas verwundern mag. "Auch wenn unser Kunde im Schnitt 51 Jahre als ist: er hat Kinder und die sind auch Kaufentscheidungsbeeinflusser!"

Martin Widenka: "Social Media sieht nach wenig Arbeit aus, so ist es aber nicht"

Duncan Reid über den gezielten Aufbau von Influencern: "Their success is our success!"

Duncan Reid (@Stilnest) hat in seinem Vortrag sehr lebendig dargestellt, dass Stilnest im Influencer-Marketing einfach mal den Spieß umdreht, indem sie Influencer gezielt aufbauen. "Influencer haben es satt als reine Promoter für jemanden zu fungieren, sie wollen ihr eigenes Business." Das geht so weit, dass Stilnest mit ihnen ganze Produktlinien erarbeitet, die diese haben möchten und lieben. Darüber hinaus pushen sie diese wiederum durch "Microinfluencer" um deren Reichweite immer mehr zu erhöhen. Er hält Influencer-Marketing nach wie vor für eine lohnende Sache, rät jedoch, sehr genau darauf zu achten, dass der Influencer zur eigenen Marke bzw. zum eigenen Produkt passen muss, andernfalls bringt die Kooperation nichts. Zudem solle man im Vorfeld dessen Timeline auf unnatürliche Followersprünge checken, da dies ein Hinweis auf gekaufte Follower sei.Duncan Reid über den gezielten Aufbau von Influencern auf der Webviedeocon 2017

Duncan Reid: "Influence itself doesn't mean anything, you really have to look at the person"

Aufmerksamkeit ist die neue Reichweite

"2020 wird 90% des Traffics aus Video bestehen!"So die Prognose von Moritz Dickefeld (@GoogleDE). Durch die heutige Reizüberflutung läge die Aufmerksamkeitsspanne des Webusers mit nur noch 3-5 Sekunden unter der eines Goldfisches. Dies müsse man sich bewusst machen und beim Schnitt für uTube-Videos im Kinofilm-Trailer-Stil mit einer packenden Sequenz beginnen. Zudem könne man seine Werbekosten bei uTube optimieren, indem man kurz beschreibt worum es in dem Video gehen wird und sagt, wenn es den Nutzer nicht interessiert, könne er jetzt abbrechen. "Content ist König. Aber Distribution ist die Königin. Und die hat die Hosen an!" Moritz Dichkefeld plaudert auf der Webviedeocon 2017 aus dem Nähkstchen

"In nur einer Sekunde kann man mit einem Video Emotionen auslösen" weiß Moritz Dickefeld, der Phsychologie studiert hat.

Recycelt euren wertvollen Content!

Zu guter letzt wurde Julia Lenhard, LogMeIn (@julia_lenhard)mit dem Thema "Die Bedeutung von Webinar (-Videos) im Marketing-Mix" auf die Bühne geworfen. "Recycelt euren wertvollen Content!" war für mich die Kernaussage, die ich für mich mitgenommen habe. Sie schlug vor, die Webinaraufzeichnung zur Leadgenerierung in einem geschützten Archiv abzulegen, auf dass der Nutzer Zugriff habe sobald er seine Kontaktdaten eingegeben hat. Zudem könne man aus einem Webinar mehrere Häppchen schneiden, die man als Teaser auf seiner Webseite oder Social Media Kanälen verbreitet, Whitepaper generieren ect. Zudem könne man im Vorfeld mehrere Termine anbieten. Einmal aufgezeichnet könne man durch Suggerierte Live Webinare die Fragen und Kommentare weiterer Interessenten im Chat einsammeln ohne, dass der Redner selbst nochmals vor Ort sein muss. Julia Lenhard zeigt auf der Webvideocon 2017 #wvc17 wie man aus einem Webinar das best mögliche rausholen kann

Julia Lenhard, sinngemäß: "Schon allein durch einfache Bereitstellung der Webinaraufzeichnung im Archiv erzeugt man Nachhaltigkeit. Aber da geht noch mehr!"

In der abschliessenden offenen Fragerunde gab Moritz Dickefeld allen Teilnehmern den Tipp, den Tag nicht verpuffen zu lassen, sondern JETZT sein Handy zur Hand zu nehmen und sich ein ToDo zu überlegen, das man sich umgehend selbst mailen soll. Bei mir sind es zwei geworden: "Hallo Video" für mein ehrenamtliches Projekt "Mit den Kindern durchs Gartenjahr" realisieren und "Cinemagraphs ausprobieren".

Ganz herzlichen Dank für einen inspirierenden Tag auf der Webvideocon 2017 mit tollen Speakern, viel überraschendem Content und nicht zuletzt für die großartige Orga!
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Ich bin übrigens aktiv auf Stellensuche ;o)